Wissen
Thermoplastische Elastomere
© ALLOD Werkstoff GmbH & Co. KG

Welche TPE-Arten gibt es?

Thermoplastische Elastomere können gegliedert werden in








Blends sind Legierungen aus einer Kunststoffmatrix und einem weichen Werkstoff, z.B. einem Elastomer.

Block-Copolymere sind Molekülketten mit unterschiedlichen Segmenten, die sich beim Abkühlen zu „Hart“- und „Weich“-Bereichen zusammenlagern. Es gibt TPS (Styrol-Block-Copolymer), TPU (thermoplastisches Polyurethan), TPE auch als TEEE bezeichnet (thermoplastisches Polyester-Elastomer) und TPA (thermoplastisches Polyether-Polyamid).

und
Block-Copolymere
TPE-Blends
Was sind Thermoplastische Elastomere?

Thermoplastische Elastomere (Abkürzung: TPE) sind Werkstoffe, welche thermoplastisch verarbeitbar sind und gummiähnliche Gebrauchseigenschaften aufweisen.

Thermoplastische Elastomere lassen sich sehr leicht formen, da sie bei der Verarbeitung den plastischen Zustand durchlaufen. Sie lassen sich in allen Härten von 5 Shore A bis über 70 Shore D herstellen. Durch Modifizierung erreicht man Haftung an nahezu allen technischen Thermoplasten. Ihre Fließfähigkeit, sowie ihre Dichte, Optik, Kratzfestigkeit und andere Eigenschaften, lassen sich ebenfalls durch Compoundierung mit verschiedensten Füllstoffen und Additiven einstellen.

Welche Unterschiede treten bei den einzelnen TPE-Arten auf?

Die einzelnen TPE-Arten unterscheiden sich in ihren Eigenschaften. So zeichnet sich TPE z.B. durch gute mechanische Festigkeiten, die TPU durch gute Abriebwerte aus. Beide besitzen jedoch Optimierungspotential vor allem im DVR bei höheren Temperaturen. TPV und TPS sind in sehr weiten Bereichen modifizierbar. Herausforderungen sind allerdings Anwendungen in Öl und/oder bei hohen Temperaturen. TPA stechen durch ihre Schnappigkeit hervor. Allerdings sind sie, ebenso wie TPU nicht einfach zu verarbeiten.

TPS
(Styrol-Block-Copolymer)
auf Basis SEBS Styrol-Blöcke bilden physikalisches Netzwerk

Kriterium
Beurteilung / Werte
Härte alle Härten
mechanische Eigenschaften mäßig
Einsatztemperatur max. 100°C, Sonderwerkstoffe bis 150°C
Druckverformungsrest 40 bis 70% bei 100°C/24h, Sonderwerkstoffe 41% bei 150°C/24h
Ölbeständigkeit eingeschränkt
Hydrolysebeständigkeit sehr gut
Witterungsbeständigkeit sehr gut
Verarbeitung sehr gut
Haftung PP, PE, ABS, PC, PMMA, PBT, POM
Sonstiges + Variabilität (Härte, Haftung, Dichte, Dämpfung, DVR)
  + preisgünstig
  + säure- und laugenbeständig
  - Verzug (abhängig von der Härte)
  unpolar
TPC
(Thermoplastische Polyesterelastomere)
Segmente aus hartem Polyester und weichem Polyether
Kriterium
Beurteilung / Werte
Härte
ab ca. 80 Shore A
Mechanische Eigenschaften
sehr gut
Einsatztemperatur
bis zu 160°C
Druckverformungsrest
80% bei 100°C/24h
Ölbeständigkeit
gut
Hydrolysebeständigkeit
mäßig
Witterungsbeständigkeit
gut bei Zusatz von Antioxidantien
Verarbeitung
sehr gut
Haftung
PC, PC/ABS, PET, PBT
Sonstiges
+ gute dynamische Eigenschaften
  + hohe Festigkeit
  - Plastikhaptik
  - Preis
TPV
(PP-EPDM, PP-NR, PP-IIR-Blends)
Kriterium
Beurteilung / Werte
Härte ab 35 Shore A
mechanische Eigenschaften gut
Einsatztemperatur max. 100°C
Druckverformungsrest 40 bis 60% bei 100°C/24h
Ölbeständigkeit eingeschränkt
Hydrolysebeständigkeit sehr gut
Witterungsbeständigkeit sehr gut
Verarbeitung sehr gut
Haftung PP, PA, ABS, ABS/PC
Sonstiges + Gummieigenschaften
  + dynamische Eigenschaften
  + schäumbar
  - Abrieb
  - Fließfähigkeit
  unpolar
TPU
(Thermoplastische Polyurethane)
weiche, langkettige Polyole und harte Diisocyanate (mit Kettenverlängerern)
Kriterium
Beurteilung / Werte
Härte ab ca. 60 Shore A
mechanische Eigenschaften sehr gut
Einsatztemperatur bis zu 80°C
Druckverformungsrest 80% bei 100°C/24h
Ölbeständigkeit gut
Hydrolysebeständigkeit mäßig
Witterungsbeständigkeit gut bei aliphatischen Typen
Verarbeitung mäßig
Haftung PA, PA/ABS, ABS, ABS/PC, PC, ASA
Sonstiges + Festigkeit
  + Abrieb
  + Transparenz
  - Vergilbung (außer aliphatische Typen)
  - Preis
TPA
(Thermoplastisches Polyamid)
weiche Polyole und hartes Polyamid
Kriterium
Beurteilung / Werte
Härte ab ca. 75 Shore A
mechanische Eigenschaften sehr gut
Einsatztemperatur bis zu 80°C
Druckverformungsrest 80% bei 100°C/24h
Ölbeständigkeit gut
Hydrolysebeständigkeit mäßig
Witterungsbeständigkeit gut
Verarbeitung mäßig
Haftung PC, ABS/PC, PA11, PA12
Sonstiges + geringe Dichte
  + Transparenz
  + Tieftemperaturflexibilität (bis -40°C)
  - Preis
Shore A, Shore D?

Bei Härte nach Shore wird ein Widerstand gemessen, der durch das Eindringen eines Körpers mit bestimmter Form entsteht, welcher mit einer definierter Federkraft auf das Prüfobjekt gedrückt wird.
Messwerte sind 0 bis 100, wobei 0 der kleinsten und 100 der größten Härte entspricht.
Die Härte in Shore A ist weicher als die in Shore D, wobei eine Überschneidung dieser beiden Härteangaben vorliegt. 90 Shore A entspricht ungefähr 35 Shore D.

Mehrkomponententechnik - An welchen Werkstoffen ist Haftung von TPE möglich?

Woran ein TPE haftet, ist abhängig von der Art des TPEs.
TPE Art
Haftung an
TPS
PP, PE, ABS*, PC*, PC/ABS*, PMMA*, PBT*, POM*, …
TPU
PA, PA/ABS, ABS, PC, PC/ABS, ASA
TPC
PC, PC/ABS, PET, PBT
TPA
PC, PC/ABS, PA11, PA12
TPV
PP, PA*, ABS*, PC/ABS*
TPO
PP, PE
* haftungsmodifiziert
Die Tabelle erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit.

Je nach Werkzeug und Bauteil können unterschiedliche Haftungsqualitäten auftreten.
Was ist der Druckverformungsrest (DVR)?

Der Druckverformungsrest (Abkürzung DVR), oder im Englischen „Compression Set“ (Abkürzung CS), gibt an, zu welchem Maß ein deformierte Werkstoff sich nach einer bestimmten Zeit und einer bestimmten Temperatur wieder zurückstellt.
Ein DVR von z.B. 0% gibt an, dass sich der Werkstoff zu 100%, also vollständig zurückgestellt hat. Bei einem DVR von 100% hat sich das Material zu 0%, also gar nicht zurückgestellt.
Wichtig sind DVR-Werte z.B. bei Dichtungsanwendungen oder Dämpfungselementen.